Sportschießen für den Arbeiter- und Bauernstaat ____________________________________________________________________________

SBZ nach dem Niedergang des Dritten Reiches im Mai 1945 endete auch das traditionsreiche Wirken der alten Schützengilden in Deutschland. In der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) wurden auf der Grundlage des Gesetzes Nr. 2 des Alliierten Kontrollrates und dem darauf beruhenden Befehl Nr. 126 des Obersten Chefs der Sowjetischen Militäradministration Deutschlands (SMAD) und des Oberbefehlshabers der Sowjetischen Besatzungstruppen in Deutschland vom 30.10.1945 u.a. Schützenvereine aufgelöst und jegliches Eigentum dieser beschlagnahmt. Die Grundbucheintragungen ihrer Immobilien wurden 1948 geschwärzt bzw. in Eigentum des Volkes umgewandelt. 1946 gründete man die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED). Diese Partei strebte zielgerichtet eine Diktatur des Proletariats als neue Staatsform an. Die Arbeiter- und Bauernmacht setzte konsequent die Festlegungen des Potsdamer Abkommens um, indem gezielt alle Gliederungen der nationalsozialistischen Organisationen, z.B. auch Sportvereine, verboten und aufgelöst wurden.

Gesellschaft für Sport und Technik
(GST) das Leben neu gestalten hieß in der SBZ, alles Bürgerliche zu liquidieren und Formen zu finden, die den Einfluss der politischen Führung in allen Bereichen möglich machte. An die Stelle von Vereinen installierte die Parteiführung von 1946 an gesellschaftliche Organisationen. Besonders drastisch wirkte sich dies bei den militärischen Sportarten aus, die mit ihren Konformitäten gut in das System eingebunden werden konnten - vor allem der Schießsport, der nur von militärischen Strukturen wie GST, Sportvereinigung Dynamo (SV Dynamo), Armeesportvereinigung (ASV) betrieben werden durfte. 

                                                                                                    

        

Die Geschichte zeigt, dass die von Partei und Zentralvorstand der GST angestrebten Zielsetzungen im Schießsport Ähnlichkeiten mit denen im Reichsbund für Leibesübungen (RfL) im Dritten Reich aufwiesen. Waren es da die Bestrebungen der Nationalsozialisten zur Wehrhaftmachung des deutschen Volkes und die Entwicklung des Wehrsportes im Zuge der formalen und institutionellen Gleichschaltung ab 1933/1934, so orientierte sich die Staatsführung der DDR genau in gleicher Art bei der Anpassung des Schießsportverbandes der DDR unter Führerschaft der GST. In einem Beschluss des Ministerrates der DDR vom 9. Februar 1956 wird dieses Bestreben deutlich. Dort hieß es „Die Entwicklung des Sportschießens zum Massenschießen hat große Bedeutung für die Erhöhung der Verteidigungsfähigkeit unserer Werktätigen [...] Unter Führung der GST ist der Massenschießsport zu organisieren."

Von 1956 an wurden erste Wettkämpfe durchgeführt. Gleichzeitig beschleunigte man die Ausbildung von Übungsleitern und Schiedsrichtern. Trainings- und Bezirksausbildungszentren (TZ/BAZ) wurde geschaffen. Aufgabe dieser Zentren war es, den von Partei- und Staatsführung gestellten politisch- ideologisch Kampfauftrag mit höchsten Ergebnissen zu erfüllen. Am 8. Oktober 1958 wurde in Abstimmung mit dem Zentralkomitee der SED und dem Ministerrat der DDR der Deutsche Schützenverband der DDR (DSV) als Dachverband ostdeutscher Schützen gegründet. Hauptziel des DSV war es, nach den Vorgaben des Politbüros die Überlegenheit der sozialistischen Körperkultur auch im Sportschießen zu demonstrieren.

Die Entwicklung des Sportschießens dargestellt am Beispiel des Bezirksausbildungszentrums (BAZ) der GST in Dresden-Klotzsche von der Gründung 1968...1969, der Einrichtung des Bezirkstrainingszentrums (BTZ) Sportschießen der GST bis zur heutigen privilegierten Scheiben-Schützen-Gesellschaft (PSSG) zu Dresden e.V.

   

1968 Anlässlich der XIX. Olympiade in Mexiko-City wurde die neu erbaute GST- Schießsportanlage übergeben. Wie Zeitzeugen berichteten, gab es schon vorher an dieser Stelle einen offenen Schießstand, auf dem Hitlerjugend, Wehrmacht und sowjetische Besatzer geschossen haben. Bis 1966 nutzte die GST- Grundorganisation der Flugzeugwerke diesen Standort als Wurftauben-schießstand.

1970 bei den Weltmeisterschaften in Phoenix (USA) holte der Leipziger Schütze Harald Vollmar mit der „Freien Pistole“ Gold. Von da an wurden auch die Weichen zur fachlich Qualifizierung für Dresdner Nachwuchsschützen gestellt.

1971
am 1. November wurde das Bezirkstrainingszentrum (BTZ) für Sportschießen in Dresden gegründet. Sportfreund Uwe B., später stellvertretender Ausbildungsleiter Sportschießen beim Zentralvorstand (ZV) der GST, wurde zum ersten Leiter des Bezirks-trainingszentrums (BTZ) berufen.

Die wachsende Bedeutung des Leistungssports für das internationale Ansehen der DDR führte zu Beginn der siebziger Jahre zur Bildung der Abteilung XX/3 beim Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Die XX/3 war zuständig für: [...] zentrale Sporteinrichtungen und Verbände, darunter das Staatssekretariat für Körperkultur und Sport, die Leitungsgremien des Deutschen Turn- und Sportbund (DTSB) und des Nationalen Olympischen Komitee (NOK) der DDR, die SV Dynamo als Sportorganisation des Ministerium des Innern (MdI), der Deutschen Volkspolizei (DVP), des MfS und der Zollverwaltung der DDR - sowie die zentralen Objekte und Einrichtungen der GST. Die Bezirksbehörde Dresden beschäftigte in dieser Abteilung 78 Mitarbeiter.

                                                                         

Wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse zum "MfS - Sicherungsvorgang Sport" konnten nach 1989 Einblick in die Durchdringung des gesamten DDR- Sports durch die Stasi geben. Die Brisanz der Thematik belegten die dazu erhobenen Zahlen. So hatte das MfS mit etwa 3.000 Inoffiziellen Mitarbeiter (IM) und gut 660 Hauptamtlichen Mitarbeitern ein regelrechtes Spinnennetz über rund 100.000 Personen im Sport der DDR gespannt. Damit konnte es nicht nur die zentralistisch geführten Verwaltungsstrukturen der Sportorganisationen, sondern auch jedes Bezirks- bzw. Trainingszentrum infiltrieren. Im Bezirk Dresden gab es nach letzten Analysen 11.424 (IMs) und 3.580 Hauptamtliche Mitarbeiter.

1972 wurden jährlich aus dem Dresdner BTZ, Leistungsschützen an die Sportklubs sowie Kinder- und Jugendsportschulen (KJS) nach Suhl und ab 1981 nach Leipzig delegiert.

1975 durch das Zustandekommen internationaler Kontakte mit polnischen, slowakischen und sowjetischen Schießsportvereini-gungen entstanden für die Dresdner interessante Begegnungen. So wurde beispielsweise anlässlich des 30. Jahrestages des slowakischen Nationalaufstandes in Vsettin, Bezirk Ostrava, ein Vergleich ausgetragen, bei dem am Ende die zwölfköpfige Dresdner Mannschaft als Sieger nach Hause fuhr.

1980
nach den Erfolgen von Sportschützen, die durch das BTZ Dresden-Klotzsche an den Sportklubs zu Ruhm und Ehren gekommen waren, erfuhr man spürbaren Aufwind in der Leistungsentwicklung des Klotzscher Zentrums. 1986 bekundete die Leitung des Zentrums ihre politische Ausrichtung und Treue zur Führung des Arbeiter- und Bauernstaates. In Vorbereitung auf den XI. Parteitag richtete das BTZ einen Brief an den Generalsekretär des Zentralkomitees (ZK) der SED und Vorsitzenden des Staatsrates der DDR, Erich Honecker, in dem es u. a. hieß:

                                                                       

Brief an Erich Honecker

Gesellschaft für Sport und Technik
BEZIRKSTRAININGSZENTRUM SP0RTSCHIESSEN DESDEN - KLOTZSCHE

Lieber Genosse Erich Honecker,

wir Sportler, Trainer und Übungsleiter nehmen die Parteiaktivtagung unseres Kreises zum Anlass, uns bei der Partei der Arbeiterklasse, ihrem Zentralkomitee und vor allem bei Dir persönlich für die kluge und umsichtige Politik zu bedanken, die es uns ermöglicht, trotz angespannter internationaler politischer und wirtschaftlicher Lage unseren Sport in Frieden und sozialer Geborgenheit zu betreiben. Die Sportler der sozialistischen Länder demonstrieren mit ihren sportlichen Leistungen, welche Entfaltungsmöglichkeiten der Sozialismus für die Leistungsfähigkeit des Menschen bietet. Auch die Europameisterschaften im Sportschießen, die vor wenigen Wochen in Osijek/Jugoslawien stattfanden, zeigten erneut, dass die Sportschützen der sozialistischen Länder in allen Disziplinen das internationale Niveau maßgeblich mitbestimmen. Für uns besonders erfreulich ist dabei, dass es den Sportschützen der DDR in einigen Disziplinen gelang, sich im Kampf um die Medaillen an der Spitze zu platzieren. Die Tatsache, dass mit Tilo Weigel (Europameister) und Ralf Schumann (Vizeeuropameister) Schützen zum sportlichen Erfolg kamen, die in Trainingszentren unseres Bezirkes das Abc des Sportschießens erlernten, motiviert uns in unserer weiteren sportlichen Arbeit. Wir sind uns bewusst, dass es auch von unserer Einsatzbereitschaft und von unserem Kampfgeist abhängt, inwieweit es den Auswahlkadern in Vorbereitung auf internationale Wettkämpfe im Olympiazyklus bis 1988 gelingt, das Ansehen unserer Republik auf dem Gebiet des Sportschießens weiter zu stärken. (Es folgt die Aufzählung einer Reihe von Aufgaben, die sich die Kameraden zur Erreichung des Titels „Bestes Trainingszentrum" gestellt haben, die u. a. die Erfüllung des Leistungsauftrages, die Erziehung der jungen Sportler und ihre schulischen Leistungen, die Patenschaftsarbeit und die Erweiterung von Trainings -und Wettkampfstätten durch Eigeninitiativen betreffen.) Unser neues Trainings- und Wettkampfjahr steht ganz im Zeichen der Vorbereitung des XI. Parteitages der SED und ist geprägt von vielfältigen Masseninitiativen zu Ehren dieses großen gesellschaftlichen Ereignisses. Überall in unserem Lande kämpfen die Werktätigen um höchste Leistungen bei der Arbeit, werden Pläne vorfristig erfüllt und übererfüllt und Spitzenleistungen zum Maßstab des täglichen Handelns gemacht. Auch wir Sportler, Trainer und Übungsleiter des BTZ Sportschießen Dresden-Klotzsche möchten Dir versichern, dass wir im Rahmen der „GST- Initiative XI. Parteitag" unsere ganze Kraft einsetzen werden, um unsere anspruchsvollen Ziele zu erreichen. Wir leisten damit einen Beitrag zur weiteren Entwicklung der sozialistischen Sportbewegung und somit zur allseitigen Stärkung und zum Schutz unseres Heimatlandes, der Deutschen Demokratischen Republik. Wir wünschen Dir persönlich Gesundheit, Wohlergehen und Schaffenskraft. ...

Mit sozialistischem Gruß
Leiter des BTZ Sportschießen Dresden-Klotzsche
Quelle: Visier Ausg.1/1986

1987
mit dem VIII. Turn- und Sportfest und der gleichzeitig stattfindenden XI. Kinder- und Jugendspartakiade in Leipzig, demonstrierte die Führung der DDR ihre Geschlossenheit und Stärke wie bei allen Festen dieser Art. Vizeadmiral Kutzschebauch, Vorsitzender des Zentralvorstandes der GST, schätzte ein, dass die Wettkämpfe der Schützen eine gelungene Rechenschaftslegung des Sportschiessens in der DDR waren.

1988 die Erfolgsbilanz jener BTZ Führung war unbestritten. Letztendlich zählten nur Medaillen und Delegierungen an die Hochleistungszentren. Seit Bestehen gingen insgesamt 14 hoffnungsvolle Nachwuchsschützen ihren leistungssportlichen Weg an diese Zentren der damaligen DDR. Wie der damalige BTZ- Leiter selbst berichtete, entwickelte sich das Trainingszentrum in den letzten Jahren zu einem stabilen und zukunftsorientierten Baustein im Gefüge der sozialistischen Sportbewegung und Garanten des DSV der DDR.

1989
bereits Mitte der achtziger Jahre zeichnete sich eine spürbar werdende Verschlechterung der Lebensverhältnisse, begleitet von Starrsinnigkeit der führenden Politiker sowie daraus resultierende Verschärfungen sinnloser Sicherheitsdoktrin und Repressalien den DDR- Bürgern gegenüber ab. Das Resultat dessen war, dass viele Menschen durch Flucht und Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland drängten oder von innen heraus nach Veränderungen strebten. Seit Gründung der DDR bis zum Fall der Mauer 1989 hatten 3,4 Millionen Personen dem SED- Unrechtsregime den Rücken gekehrt. Als anlässlich des 40. Jahrestages der DDR der Sowjetische Parteichef Gorbatschow an Erich Honecker die historischen Worte sagte, „wer zu spät kommt, den bestraft das Leben...!“, wusste jeder, dass damit der greise und starrsinnige Generalsekretär der SED gemeint war. Der darauf kurze Zeit danach folgende Wechsel in der Führungsriege der DDR war ein Signal, dass etwas geschehen musste. Die bereits im September 1989 durch Oppositionellen Gruppen organisierten Demonstrationen breiteten sich auf alle Bevölkerungsschichten der DDR wie ein Flächenbrand aus.
 

Sportschießen nach der friedlichen Revolution im Herbst 1989 ____________________________________________________________________________


1990 Anfang des Jahres wurde der Schützenverein Dresden- Klotzsche in das Vereinsregister des Kreisgerichtes Dresden-Land unter VR 5 eingetragen. Sitz des Vereins war die Schießanlage in der Dresdner Heide, Langebrücker Straße 10. Der Vorstand nach § 26 BGB bestand u.a. aus: Dr. Uwe S., Jürgen G., Wolfgang G., ... (Quelle: Vereinsregister Registergericht Dresden VR 1729)

Allesamt waren diese Mitglieder des gewählten Vorstandes über Jahre hinweg mit der Leitung des einstigen BTZ der GST vertraut gewesen. Ab dem Zeitpunkt, wo die politische Wende auch für sie unumkehrbar wurde, sicherten sie sich wie allgemein üblich in der ehemaligen DDR ihre Basis. Ein Zitat aus dem Protokoll der Gründungsversammlung 1990 unterstreicht dies nochmals: „Sportfreund Uwe S. schätzt die Situation im DSV der DDR ein und weist darauf hin, dass Initiativen von der Basis gefragt sind.“ Die 11 Gründungsmitglieder gaben ihr Ja zur Übernahme. (Quelle: Gründungsprotokoll 1990)

1992
zählt der Schützenverein Dresden-Klotzsche e.V. bereits 121 Vereinsmitglieder die sich aus allen Schichten der Bevölkerung zusammensetzten. Vorrangiges Interesse lag im Bereich des Großkaliber-Kurzwaffenschießens. Die Rahmenbedingungen auf der ehemaligen GST–Schießanlage waren in Folge des politischen Umbruchs, der ungeklärten Eigentumsverhältnisse sowie der allgemeinen Unsicherheiten chaotisch. In dieser Zeit nahmen die seit 1991 laufenden Verhandlungen mit der Treuhandliegenschaftsgesellschaft (TLG Immobilien GmbH) und des künftigen Eigentümers von Grund und Boden eine entscheidende Wende. Ende 1992 wurde mit einem vorläufigen Pachtvertrag Rechtssicherheit geschaffen. Kurze Zeit danach begannen die Vereinsmitglieder mit der Rekonstruktion ihrer Sportanlagen.

                                    

Die Reaktivierung der Privilegierten Scheiben-Schützen-Gesellschaft zu Dresden e.V. (PSSG). Bereits Anfang 1990 wurde versucht, die PSSG wieder aufleben zu lassen. Mitte 1992 hatten sich so genannte "Altmitglieder" der alten PSSG mit dem Schützenverein Dresden-Klotzsche in Verbindung gesetzt. Sie richteten an diesen Verein den Antrag, gemeinsam die ehemalige Privilegierte Scheiben-Schützen-Gesellschaft zu Dresden zu reaktivieren. Diesem Antrag gab am 10. Oktober 1992 die Mitgliedervollversammlung des Schützenvereins Dresden-Klotzsche e.V. seine Zustimmung. Damit wurde eine über 500 Jahre alte Dresdner Schützentradition wieder aufgenommen. Der Vorsitzende Uwe S. wurde vom Vormundschaftsgericht als Rechtspfleger der PSSG bestellt um sogleich einen Restitutionsantrag zu dem im Jahr 1948 im Auftrag der SMAD requirierten Schützenhof in Dresden- Trachau stellen zu können. 

                                                                                                

1993 trotz der noch schwebenden Vertragsverhandlungen mit der TLG Immobilien GmbH wurden die ersten Rekonstruktions-maßnahmen der Pistolenschießanlagen im März abgeschlossen. Die Mitgliederversammlung wählte eine neue Vereinsführung, dabei der zukünftige Präsident des Sächsischen Schützenbundes, Prof. Dr. Bauer und A. Eichhorn, beide seit 1992 Mitglied der Vereinigung. Zuletzt genannter führte u.a. die Geschäfte der Gesellschaft bis 2003 und nahm maßgeblich Einfluß auf die beispielhafte Entwicklung dieses Vereins (seine Erfolge und sein Wirken sollten später aus der Geschichte des Vereins - vermutlich aus niederen Beweggründen des Präsidenten Uwe S. gelöscht werden). Gemeinsam mit dem Ehrenmitglied Helmut Fischer recherchierte er u.a. die Historie dieser alten Dresdner Schützengesellschaft von den Anfängen bis zur Gegenwart und setzte somit den Grundstein für das heutige Wissen (www.pssg.de).

                                                         

1994 die PSSG beging ihr 540- jähriges Bestehen seit den ersten nachvollziehbaren Aktivitäten im Jahre "1454"??. Sportlich konnte der Verein noch von den DDR- Leistungsträgern profitieren: sechs Landesmeistertitel, einmal Gold und Bronze bei den Deutschen Meisterschaften, vor allem die grandiosen Leistungen des Nachwuchsschützen Jan Wandel bei den Junioren - Weltmeisterschaften. Er erkämpfte sich neben der Bronzemedaille mit der Luftpistole auch noch den Vizeweltmeistertitel mit der Freien Pistole. Damit gehört er wohl zu den erfolgreichsten Sportlern der Dresdner Schützengeschichte der Neuzeit.

                                         

Die Entwicklung des Dresdner Schützenwesens verlief nicht in allen Vereinen so spektakulär und beispielhaft wie an diesem Beispiel dargestellt. Die PSSG-Vereinsführung konnte von 1993 bis 2003 zum einen auf einer sehr guten materiellen Basis aufbauen (Dank eines sechsstelligen Privatdarlehens des Geschäftsführers A. Eichhorn) und zum anderen hatte sie bereits damals schon eine mittelfristige Gesamtkonzeption für ihre Öffentlichkeitsarbeit. Man besann sich, dass das alte Dresdner Vogelschießen, welches bis 1945 von der privilegierten Bogenschützen- Gesellschaft zu Dresden auf der Vogelwiese gepflegt wurde, eine gute Form der Vereinsdarstellung sein könnte. Im Rahmen einer Gesamtkonzeption zum Stadtjubiläum 2006, wurde 1994 damit begonnen, dieses Vogelschießen nach historischen Vorbild zu entwickeln. Dazu gehörte es auch, dass die Mitgliederversammlung 1998 beschloss, den Vereinsnamen in privilegierte "Bogen"- und Scheiben-Schützen-Gesellschaft zu Dresden e.V. zu ändern um sich die damit vermeintlich vorhandenen Rechte des "alten Dresdner Vogelschießens" zu sichern. Diese Namensänderung wurde jedoch zur Vollversammlung 2000 wieder rückgängig gemacht. Mitte der Neunziger Jahre und Anfang 2000 sah sich der Klotzscher Schützenverein durch Umweltaktivisten und Gegner des Schießsportes in seiner Existenz mehrfach bedroht. Die gravierendsten Probleme konnten - wie bekannt geworden, vorerst abgewehrt werden.

                                                                     *** 

Die Mikrohistorie des Dresdner Schützenwesens nach 1945 soll u.a. aus der Sicht der Aufklärung und Aufarbeitung einen Beitrag zur Wahrheitsfindung über die Durchdringung des SED-Regimes auf das DDR-Schützenwesen der Nachkriegszeit liefern. Die Akten und Augenzeugenberichte beweisen, dass das Alltags-, Arbeits-, Vereins- und Familienleben in der DDR der obrigkeitlichen Kontrolle unterworfen war, um die sog. „entwickelte sozialistische Persönlichkeit“ zu schaffen. Das recherchierte Material belegt eine verblüffende Personalkontinuität in bestimmten Leitungsfunktionen über die Revolution 1989 hinweg. Ob unterste Funktionen tatsächlich harmlos waren, ist zu bezweifeln; auch sie könnten ihren Teil zur Unmenschlichkeit beigetragen haben. Æ